Philosophie

Philosophie – Leidenschaft und Überzeugung sind unsere Profession

Beim Sattelanpassen von Philosophie zu sprechen, macht es vielleicht ein wenig größer als es ist. Doch es gehören eine Leidenschaft und eine Überzeugung dazu und bestenfalls eine auf Erfahrung und Wissen begründete Theorie, was denn nun der rechte Weg ist. Zu Beginn jeder Analyse steht bei Saddle Me ein einfacher Satz, der unbestritten ist (selten genug in dieser Branche): Pferde sind nicht dazu geschaffen, einen Reiter zu tragen, sondern Gras in der Steppe zu fressen und bei Gefahr möglichst schnell zu fliehen. Daraus folgt ganz logisch eine weitere Erkenntnis, die dem Selbstverständnis insbesondere den Verkäufern so genannter Maßsättel deutlich widerspricht:

Es ist nicht möglich, mit der Anpassung eines Sattels etwas Gutes für das Pferd zu tun. Das Pferd für sich braucht weder Sattel noch Reiter. Es ist viel mehr die Aufgabe eines guten Saddle Fitters, das Problem „Mensch auf Pferd“ so klein und leicht wie möglich zu machen. Aus unserer Sicht ist dies wörtlich zu nehmen. Um es noch einmal deutlich zu sagen:
Ein Mensch und ein Sattel auf einem Pferd ist das Problem und nicht die Lösung!
Die beiden Ansätze, „etwas Gutes“ für das Pferd zu machen oder „das Problem Mensch auf Pferd“ so klein und leicht wie möglich zu machen, klingen ähnlich, unterscheiden sich ethisch aber massiv.


In der praktischen Umsetzung bedeutet die erste Variante, dass ein Fachmann bzw. eine Fachfrau für das Pferd die Entscheidung trifft, was denn richtig und gesund zu sein hat. Bei der zweiten – der Saddle Me-Variante – werden die Sättel, die den wichtigsten Eckdaten des Pferdes entsprechen (Länge/Kammerweite/Schwung etc.) dem Pferd zur Auswahl gegeben. Zu vergleichen ist diese Prozedur eins zu eins mit dem Kauf eines neuen Paars Schuhe. Bei Variante eins wird angezogen, die Schuhgröße durch Daumendruck auf den großen Zeh überprüft – fertig. Zur Auswahl stehen jetzt nur noch Farbe, Lack oder Strasssteinchen.

Bei der Saddle Me-Variante wird eine Auswahl von zwei bis zehn Paar Schuhen in den richtigen Abmessungen vorgeschlagen und der Kunde geht, läuft und springt umher, bis er „seinen Schuh“ gefunden hat. Als praktizierende Pferdeleute und aufgrund aller biomechanischen Kenntnisse bezüglich des modernen Sportpferdes ist es für uns undenkbar, dem Sportpartner Pferd nicht ein „Mitspracherecht“ bei der Auswahl des Sattels zu geben. Natürlich ist aber auch der beste Sattel am Ende unbrauchbar, wenn der Reiter nicht absolut balanciert in ihm sitzen kann.


Und auch bei nicht so versierten Reitern sollte der Sattel seinem Reiter zumindest die Chance geben, losgelassen schwingend sitzen zu lernen. Leider gilt: Je schmaler der Sattel in der Taille, desto besser für den Reiter, je breiter in der Taille, desto besser für das Pferd. Auch hier ist es unabdingbar, die richtige Balance zu finden. Das heißt: Nur das Vergleichen und das Probieren führen zum Erfolg. Das Vermessen des Pferdes – was immer im Stehen erfolgt – ist nur eine weitere Option der Variante eins und soll hier nur am Rande beleuchtet werden. Selbst die neuesten Methoden, Pferderücken zu scannen und 3D-Abbilder zu produzieren, haben mit dem sich bewegenden Pferderücken (Schritt, Trab und Galopp) so gut wie nichts gemeinsam.

Es fehlt schon an einfachen Referenzpunkten, von wo aus eine Messung zu erfolgen hat (Anfang und Ende der Sattellage). Diese sind schlichtweg nicht definiert. Auch wechseln die Händigkeit bei Pferden: von z. B. links im Schritt und Trab zu rechts im Galopp (wechselnde Fußfolge je nach Vier-Zwei-Dreitakt). Was das für die Nutzbarkeit eines „Maßsattels“ bedeutet; beschreibt die grundsätzliche und derzeit ungelöste Problematik. Wir von Saddle Me beobachten alle Aktivitäten in diesem Bereich mit großem Interesse, mussten bisher aber bei sämtlichen auf dem Markt erhältlichen Mess – und Maßsystemen feststellen, dass die Anwendbarkeit unseren Ansprüchen nicht genügt.